2017 Reha op’n annre Art

P1050501Aus dem Inhalt

Johannes Göllnitz ist als Einzelkind und ohne Vater aufgewachsen. Aber immer noch, obwohl er schon im gestandenen Alter ist, behandelt ihn seine Mutter wie ein Kleinkind; weil sie nicht wahrhaben will, dass ihr Sohn schon mehr als erwachsen ist. Dann steht eine Kur an für Therese Göllnitz. Und zum ersten Mal in ihrem Leben muss sie ihren Sohn für einige Wochen alleine lassen. Johannes – durch die Erziehung seiner Mutter in vielen Dingen etwas unbeholfen – will beweisen, dass er zurechtkommt und auch den Haushalt führen kann. Doch dieses ist nicht nötig, da seine Mutter für diese Aufgaben ihre Schwester Julia und die Nachbarin Agathe eingeplant hat. Plötzlich taucht Heidi auf; eine junge Psychologiestudentin – angeblich in eine ausweglose Situation geraten – und nach langem hin und her überlässt Johannes ihr für eine Nacht das Zimmer seiner Mutter. Heidi sieht in Johannes ihren ersten Patienten und macht einige Tests mit ihm. Diese Tests sind für Johannes etwas völlig neues und es passieren komische Dinge – endlich einmal wirft Johannes alle Zwänge und Ängste von sich und dann passiert es:Johannes´ Mutter kommt eine Woche früher als erwartet zurück.

Mitspieler

Therese Göllnitz – Anni Voss

Johannes, ihr Sohn – Reinhold Bäumer

Julia Krämer, Thereses Schwester –   Elke Mergel

Heidi Wassmann, Psychologiestudentin – Lena Mairose

Dieter Plöger, Thereses Kurschatten – Erich Hackmann

Agathe Siemer, Nachbarin –  Marita Kriege

Peter Eckenbrecht, Freund und Arbeitskollege von Johannes – Alfred Jostmeier

 

Aus der Presse

 Muttersöhnchen hat‘s nicht leicht – Heimatbühne feiert Premiere

von Brigitte Striehn, 09.01.2017

Eines ist bei den plattdeutschen Theaterstücken der Heimatbühne Ibbenbüren garantiert: „Veel Pläsier“. Am Sonntag freuten sich 130 Gäste im Saal des Gasthofs Antrup auf die Premiere der Komödie in drei Akten „Reha op`n anner Art“.

Der Autor Helmut Schmidt greift darin ein Thema auf, das im Theater und im wahren Leben schon oft für Verwicklungen gesorgt hat: Mutter muss zur Kur und der Sohn bleibt allein zu Hause. Nun ist Johannes Göllnitz (Reinhold Bäumer) ein gestandenes Mannsbild. Eigentlich könnte er gut vier Wochen lang für sich selbst sorgen. Die Sache hat jedoch einen Haken: der brave Johannes ist ein echtes Muttersöhnchen, dem durch Mama Thereses (Anni Voss) übertriebene Fürsorge jegliche Fähigkeit zu selbstständigem Handeln abhandengekommen ist. Da kann er noch so oft beteuern, dass er kein Kind mehr sei – nützt nichts.

Bevor das Taxi sie zum Zug nach „Oeynhusen“ brachte, las Therese zur großen Erheiterung des Publikums eine lange Liste mit guten Ratschlägen für ihre Abwesenheit vor. Die Wäsche für jeden Tag war fein säuberlich mit Zetteln beschriftet – die Besucher im Saal lachten sich schlapp. Nachbarin Agathe Siemer (Marita Kriege) kam vorbei und konnte sich bei dem Anblick das Lachen ebenfalls nicht verkneifen. Therese reagierte mit Unverständnis, schließlich meint sie es nur gut. Das Essen liegt für vier Wochen vorgekocht in der Tiefkühltruhe und Tante Julia (Elke Mergel) kommt täglich, um den Haushalt zu besorgen, die Wäsche zu waschen und die Betten frisch zu beziehen. Sein Freund Peter Eckenbrecht (Alfred Jostmeier) dürfte Johannes gern Gesellschaft leisten – Hauptsache, es kommen keine Fronslüüd in’t Huus.

Eigentlich sollte nichts schiefgehen, doch nach Thereses Abreise steht die Psychologiestudentin Heidi Wassmann (Lena Mairose) vor der Tür. Trotz Mamas Verbot lässt Johannes sie ins Haus und damit beginnt für ihn das „Abenteuer Leben“. Heidi schleppt ihn in den Sündenpfuhl Diskothek und versucht, mit Tricks aus ihrem Studium seine verkorksten Ansichten geradezurücken. Dass sich die beiden sympathisch sind, ist unverkennbar. Doch ihr musikalischer Geschmack weicht sehr voneinander ab. Eine Party läuft aus dem Ruder, bis Lena und Johannes in der spießigen Wohnküche auf dem Tisch tanzen. Da just in diesem Moment Therese verfrüht von ihrem Kuraufenthalt zurückkommt, fällt sie erst einmal in Ohnmacht. „Das Stück ist hervorragend, es hat sich absolut gelohnt, herzukommen“, meinten Manuela und Erika Norra in der Pause. „Ein Besuch der Aufführung ist sehr empfehlenswert“, ergänzte Alfred Recker.

Ein wenig Gesellschaftskritik verbirgt sich hinter Witz und Humor. Tante Julias scheinheilige Entrüstung über das Verhalten ihres Neffen und die Bösartigkeit, mit der sie über Lena herzieht, sind wohl auch im realen Leben anzutreffen. Therese überrascht jedoch. Die Kur hat ihr offensichtlich gutgetan, wie das Auftauchen von Dieter Plöger (Erich Hackmann) zeigte. „Ende gut, alles gut“ – so ist das in Komödien. Das Publikum wurde von bestens aufgelegten Schauspielern gut unterhalten, spendete reichlich Beifall und ging vergnügt nach Hause.